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Keramik von Grund auf: SKF eröffnet Prozesslabor für Hybridlager

Zwei Personen halten im Labor keramische Kugeln in den HändenBild: SKF
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NORMION

SKF hat in seinem Forschungs- und Entwicklungszentrum im niederländischen Houten ein neues Keramik-Prozesslabor eröffnet. Das Ceramic Process Laboratory, kurz C-Pro Lab, soll die Entwicklung von Hybridlagern beschleunigen – und zwar entlang der gesamten keramischen Prozesskette, vom Rohstoffpulver bis zum fertigen Hochleistungsbauteil. Der Wälzlagerhersteller meldete die Eröffnung am 19. Oktober 2026.

Was Hybridlager auszeichnet

Hybridlager kombinieren Ringe aus hochwertigem Stahl mit Wälzkörpern aus Siliziumnitrid, einer Hochleistungskeramik. Gegenüber Lagern, die komplett aus Stahl bestehen, bieten sie nach Angaben von SKF eine bessere elektrische Isolierung, ein geringeres Gewicht und weniger Reibung.

Gefragt sind sie dort, wo die Anforderungen besonders hoch sind: in der Industrieautomation, in der Luft- und Raumfahrt und in Hochgeschwindigkeitsmaschinen. SKF verweist darauf, dass Keramiktechnologie in schnell laufenden Elektromotoren elektrische Erosion – also Schäden durch Stromdurchgang – verhindern kann. Die Reibung lasse sich um bis zu 50 Prozent senken, und auch bei extremen Temperaturen arbeiteten die Lager zuverlässig.

Pulver, Pressen, Sintern, Oberfläche unter einem Dach

Im C-Pro Lab bündelt SKF vier Prozessschritte: die Formulierung des Pulvers, die Verdichtung durch Pressen, das Sintern und die Oberflächenbearbeitung. Wer alle Schritte an einem Ort hat, kann nach Unternehmensangaben neue Werkstoffzusammensetzungen schneller als Prototyp herstellen, Mikrostrukturen gezielt verbessern und die Prozesseffizienz für die Großserienfertigung steigern.

Das Labor ist als globales Kompetenzzentrum innerhalb der Forschungs- und Technologieentwicklung von SKF angelegt. Technologiechefin Annika Ölme erklärt, das C-Pro Lab verschaffe dem Unternehmen die volle Kontrolle über den gesamten Keramikprozess. Dadurch könne SKF Innovationen schneller vorantreiben, die Materialleistung optimieren und leistungsstarke Hybridlösungen früher auf den Markt bringen.

Nachfrage durch Elektrifizierung

Als Treiber nennt SKF die Elektrifizierung und den Wunsch nach höherer Energieeffizienz und Betriebssicherheit. Mit der Verbreitung elektrischer Antriebe steige die Nachfrage nach Keramik-Hybridlagern rasant, heißt es in der Meldung sinngemäß. Konkrete Produkteinführungen, Stückzahlen oder Investitionssummen nennt das Unternehmen nicht.

Eröffnung mit Kunden und Botschafter

Zur offiziellen Eröffnung kamen laut SKF Kunden aus zentralen Branchen, darunter Bahntechnik, Luft- und Raumfahrt sowie Antriebstechnik, außerdem Julius Liljeström, der schwedische Botschafter in den Niederlanden. SKF sieht darin einen Beleg dafür, wie wichtig die enge Zusammenarbeit mit Kunden für industrielle Innovationen und nachhaltige Technik ist.

Quelle: Pressemitteilung „SKF accelerates hybrid bearing leadership with new Ceramic Process Laboratory“ der SKF Group vom 19. Oktober 2026 (englischsprachig). Bild: SKF.