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Sensorik in der Industrie: Sensorarten, Schnittstellen und Auswahl im Überblick

Sensoren in der Industrie wandeln eine physikalische Größe oder das Vorhandensein eines Objekts in ein elektrisches Signal um, das eine Steuerung weiterverarbeiten kann. Dieser Überblick ordnet die wichtigsten Messprinzipien, erklärt den Unterschied zwischen binären und messenden Sensoren und zeigt, welche Kennwerte im Datenblatt zählen. Dazu kommen die gängigen Schnittstellen PNP/NPN, 4…20 mA und IO-Link sowie eine Auswahlmatrix von der Aufgabe zum Sensortyp.

Binäre und messende Sensoren

Nach Balluff besteht ein Sensor aus drei Teilen: dem sensitiven Bereich mit der Messtechnologie, der Auswerteelektronik, die die Messgröße in eine elektrische Größe umwandelt, und der Signalausgabe zum Steuerungssystem. Ein binärer Sensor meldet nur, ob ein Objekt vorhanden ist (Schaltsignal). Ein analoger oder digitaler Sensor meldet, welcher Messwert erreicht ist, etwa als Strom- oder Spannungssignal oder als Datenwert über eine Schnittstelle wie IO-Link.

Messprinzipien im Überblick

PrinzipWirkweiseErfasst typischerweiseZu beachten
InduktivWechselfeld erzeugt Wirbelströme im Metall, die dem Feld Energie entziehenMetalleSchaltabstand hängt vom Werkstoff ab
KapazitivObjekt verändert das elektrische Feld vor der aktiven FlächeMetalle und Nichtmetalle, FüllgüterEmpfindlichkeit meist anzupassen
OptoelektronischSender und Empfänger bewerten die LichtmengeObjekte aller Art, je nach BauformVerschmutzung, Oberfläche, Fremdlicht
UltraschallLaufzeit eines SchallimpulsesAlle Objekte, die Schall reflektierenBlindzone, Lufttemperatur
MagnetischFeldstärke eines externen Magneten wird ausgewertetPosition von MagnetenMagnet am Messobjekt nötig
RadarLaufzeit oder Frequenzdifferenz von MikrowellenFüllstand von Flüssigkeiten und SchüttgüternFrequenzband nach Anwendung wählen

Induktiv und kapazitiv

Induktive Sensoren beruhen laut Balluff auf der Wechselwirkung metallischer Targets mit dem Wechselfeld des Sensors. Die Wirbelströme im Metall senken die Schwingungsamplitude des Oszillators, und diese Änderung wertet der Sensor aus. „Ferrous“-Ausführungen erfassen ferromagnetischen Stahl und Eisen, „Non-Ferrous“-Ausführungen auch Aluminium, Kupfer und Messing.

Ein kapazitiver Sensor bildet mit seiner aktiven Elektrode einen offenen Plattenkondensator als Teil eines RC-Oszillators. Nähert sich ein Objekt, steigt die Kapazität und der Ausgang schaltet. Für den Plattenkondensator gilt C = ε0 · εr · F · (1/S) mit der relativen Dielektrizitätszahl εr des Mediums, der Elektrodenfläche F und dem Abstand S. Erfasst werden also Objekte mit ausreichend großem εr, ausreichender Fläche und geringem Abstand, auch Füllstände durch eine Kunststoff- oder Glaswand von höchstens 4 mm bei bündigen Sensoren.

Optoelektronisch

Optoelektronische Sensoren bestehen aus Sender und Empfänger. Balluff unterscheidet drei Grundbauformen:

  • Einweglichtschranke: Sender und Empfänger sind getrennt und gegeneinander ausgerichtet, Reichweiten bis 50 m. Bei Staub, Nässe oder Öl liefert sie die besten Ergebnisse.
  • Reflexionslichtschranke: Sender und Empfänger sitzen in einem Gehäuse, ein Reflektor wirft das Licht zurück.
  • Lichttaster: Das Objekt reflektiert diffus einen Teil des Lichts zum Empfänger. Die Tastweite hängt von Größe, Form, Farbe und Oberfläche ab, bei weißem Papier (90 % Reflexion) sind bis zu 2 m möglich.

Ultraschall

Ultraschallsensoren arbeiten nach dem Laufzeitverfahren: Der Wandler sendet einen Schallimpuls und misst die Zeit bis zum Echo. Aus der Schallgeschwindigkeit v in Luft folgt die Entfernung d = v · t / 2, wobei t die Laufzeit von Hin- und Rückweg ist. Weil v von der Lufttemperatur abhängt, kompensieren viele Sensoren per Temperaturmessung (Turck). Nach ipf electronic erfassen sie berührungslos alle Objekte, die Schall reflektieren, auch transparente, und die Farbe spielt keine Rolle. Direkt vor dem Gerät liegt die Blind- oder Totzone, weil der Wandler beim Senden nicht empfangen kann. Dort ist keine reproduzierbare Funktion gewährleistet.

Magnetisch und Radar

Magnetische Sensoren erkennen einen externen Magneten und werten dessen Feldstärke aus (Balluff). Radar-Füllstandsgeräte arbeiten laut Endress+Hauser nach dem Laufzeitverfahren oder dem frequenzmodulierten Dauerstrichverfahren (FMCW). Beim Laufzeitverfahren gilt D = c · t / 2 mit der Lichtgeschwindigkeit c, und mit der Leerdistanz E folgt der Füllstand L = E − D. Die meisten berührungslosen Füllstandssensoren arbeiten bei 6, 10 oder 26 GHz, neuere Geräte bei 80 GHz.

Messgrößen und passende Verfahren

MessgrößeGängige VerfahrenAusgang
Position, Winkel, DrehzahlInkremental- und Absolut-Drehgeber, magnetische SensorenImpulse A/B, SSI, BiSS C
AbstandLaser-Distanzsensoren, UltraschallSchalt-, Analog- oder IO-Link-Signal
FüllstandRadar, Ultraschall, kapazitivSchalt- oder Analogsignal
DurchflussClamp-on-Ultraschall außen am Rohrje nach Gerät
DruckDehnungsmessstreifen in Wheatstone-Brücke4…20 mA, 0…10 V
TemperaturPlatin-Widerstandsthermometer Pt100, Pt1000Widerstand, meist über Messumformer

Drehgeber. Inkrementalencoder übertragen Positionsänderungen als Rechteckimpulse auf zwei phasenverschobenen Kanälen A und B, aus deren Vergleich die Drehrichtung folgt. Die absolute Position ergibt sich erst nach einer Referenzfahrt. Absolutencoder geben die Position als Bitfolge aus, Singleturn-Geber innerhalb einer Umdrehung, Multiturn-Geber eindeutig über mehrere Umdrehungen (maxon). Eine Auflösung von n Bit entspricht 2n Positionen, 12 Bit also 4.096. Bei 19 Bit sind es 524.288 Positionen je Umdrehung, rechnerisch rund 0,0007 ° je Schritt.

Druck. WIKA unterscheidet Absolut-, Relativ- und Differenzdruck nach dem Bezugspunkt: Der Nullpunkt des Absolutdrucks ist das Vakuum, der des Relativdrucks der jeweilige Luftdruck, der Differenzdruck ist die Differenz zweier Systemdrücke.

Temperatur. Pt100-Elemente haben bei 0 °C einen Widerstand von 100 Ω (Pt1000: 1.000 Ω). Die Klassen nach IEC 60751 geben die Grenzabweichung als Funktion der Temperatur |t| in °C an:

KlasseGrenzabweichung in KBeispiel bei 100 °C
B±(0,30 + 0,0050 · |t|)±0,80 K
A±(0,15 + 0,0020 · |t|)±0,35 K
AA±(0,10 + 0,0017 · |t|)±0,27 K

Die Beispielwerte bei 100 °C sind aus den Formeln gerechnet.

Datenblatt lesen: Schaltabstand, Schutzart und Ausgang

Schaltabstände schaltender Näherungssensoren beziehen sich auf die Norm-Messplatte nach EN 60947-5-2, eine quadratische Platte aus Fe 360 (ISO 630) mit 1 mm Dicke:

KennwertBedeutung nach Balluff
Nennschaltabstand snMaximal erreichbarer Schaltabstand auf die Norm-Messplatte
Realschaltabstand srSchaltabstand unter festgelegten Bedingungen (Einbauart, Spannung, Temperatur)
Nutzschaltabstand suZulässiger Schaltabstand eines einzelnen Sensors: 0,81 sn ≤ su ≤ 1,21 sn
Gesicherter Schaltabstand saBereich sicheren Betriebs: 0 ≤ sa ≤ 0,81 sn
SchutzartEignung für Umgebungsbedingungen, Kennbuchstaben IP nach IEC 60529

Bei anderen Werkstoffen als Stahl verkürzt sich der Schaltabstand: Realschaltabstand = Bemessungsschaltabstand × Korrekturfaktor. Für Standard-Sensoren nennt Balluff:

WerkstoffKorrekturfaktor
Stahl (Fe 360)1,0
Kupfer0,25…0,45
Messing0,35…0,50
Aluminium0,30…0,45
Edelstahl0,60…1,00
Nickel0,65…0,75
Gusseisen0,93…1,05

Konstruiertes Rechenbeispiel: Ein Standard-Sensor mit sn = 4 mm erreicht bei Aluminium nur etwa 1,2…1,8 mm (4 mm × 0,30 bis 0,45). Bündige Sensoren dürfen laut Balluff bis zur aktiven Fläche in Metall eingelassen werden, nichtbündige müssen mindestens 2 sn herausragen. Der exakte Schaltpunkt ist in jedem Fall vor Ort einzujustieren.

Anbindung: PNP/NPN, 4…20 mA und IO-Link

PNP, NPN und Schließer/Öffner

Ein PNP-Ausgang schaltet das positive Potenzial auf den Ausgang (plusschaltend), ein NPN-Ausgang die Masse (minusschaltend). Beim Schließer (NO) ist der Ausgang aktiv, wenn ein Objekt erfasst wird, beim Öffner (NC) ist er dann inaktiv. Der Schließer ist laut Balluff in der Automatisierungstechnik am weitesten verbreitet.

Analoge Signale: 4…20 mA

Das Stromsignal 4…20 mA ist nach WIKA das gängigste analoge Ausgangssignal in der Druckmesstechnik und wird häufig zweileitig übertragen. Gegenüber Spannungssignalen ist es weniger störempfindlich, und der angehobene Nullpunkt ermöglicht die Erkennung von Kabelbrüchen und Gerätefehlern. Die Spanne beträgt 16 mA, die Zuordnung ist linear:

I = 4 mA + 16 mA · (p − pmin) / (pmax − pmin)

Bei einem Drucksensor für 0…10 bar entsprechen 5 bar demnach 12 mA und 2,5 bar 8 mA (konstruiertes Beispiel). Nach NAMUR NE 43 ist ein Strom zwischen 3,8 und 20,5 mA eine gültige Messinformation, Werte bis 3,6 mA und ab 21,0 mA gelten als Ausfallinformation (Darstellung nach Beckhoff).

IO-Link

IO-Link ist laut IO-Link Community die erste I/O-Technologie für Sensoren und Aktoren, die als internationaler Standard (IEC 61131-9) übernommen wurde. Sie ist eine serielle, bidirektionale Punkt-zu-Punkt-Verbindung und kein Feldbus: Ein Master mit mehreren Ports bindet je Port ein Gerät an und gibt die Daten an das Feldbus- oder Automatisierungssystem weiter. Eckdaten der Systembeschreibung (Stand 03/2018):

  • Ungeschirmte 3- oder 5-adrige Standardleitungen bis höchstens 20 m; im Feld meist M12-Steckverbinder mit 24 V, 0 V und der Schalt- und Kommunikationsleitung C/Q.
  • Drei Übertragungsraten: COM 1 mit 4,8 kBaud, COM 2 mit 38,4 kBaud, COM 3 mit 230,4 kBaud.
  • Prozessdaten zyklisch (0 bis 32 Byte je Richtung), Gerätedaten und Ereignisse azyklisch.
  • Beim Gerätetausch kann der Master die Parameter automatisch neu zuweisen.

Auswahlmatrix: von der Aufgabe zum Sensortyp

AufgabeGeeigneter SensortypBegründung
Metallteile erkennen, Endlagen abfragenInduktivReagiert auf Wirbelströme im Metall
Kunststoff, Glas, Schüttgut oder Flüssigkeit erkennenKapazitivReagiert auch auf Nichtmetalle mit ausreichendem εr
Große Distanz, staubige oder nasse UmgebungEinweglichtschrankeBis 50 m, beste Ergebnisse bei Staub, Nässe, Öl
Transparente ObjekteUltraschallFarbe und Transparenz ohne Einfluss
Füllstand in Tanks und SilosRadar, UltraschallBerührungslose Laufzeitmessung zur Füllgutoberfläche
Lage eines Magneten am MessobjektMagnetischWertet die Feldstärke des Magneten aus
Winkel oder Drehzahl einer WelleDrehgeberInkremental oder absolut

Auswahl in der Praxis

  • Material klären: Metall, Nichtmetall, Flüssigkeit, transparent oder spiegelnd. Daraus ergibt sich meist schon das Prinzip.
  • Mit Reserve planen: Mit dem gesicherten Schaltabstand sa und dem Korrekturfaktor des Werkstoffs rechnen, nicht mit dem Nennwert.
  • Einbau beachten: Bündig oder nichtbündig, Mindestabstände zu Metall und Nachbarsensoren, bei Ultraschall die Blindzone freihalten.
  • Umgebung prüfen: Schutzart, Temperatur, Verschmutzung, Fremdlicht.
  • Ausgang zur Steuerung wählen: PNP oder NPN, Schließer oder Öffner, Analogsignal oder IO-Link.

Themen in diesem Bereich

  • Induktive und kapazitive Näherungssensoren: Funktionsweise, Schaltabstände, Einbauhinweise.
  • Optoelektronische Sensoren: Lichttaster, Reflexions- und Einweglichtschranken.
  • Ultraschall und Radar: Laufzeitverfahren, Blindzonen, Füllstands- und Abstandsmessung.
  • Drehgeber und Positionserfassung: Inkremental- und Absolutgeber, Schnittstellen.
  • Prozessmesstechnik: Druck, Temperatur und Durchfluss mit typischen Ausgangssignalen.
  • IO-Link und Sensorschnittstellen: Punkt-zu-Punkt-Anbindung, Parametrierung, Diagnose.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen einem induktiven und einem kapazitiven Sensor?

Induktive Sensoren erkennen Metalle über Wirbelströme im Wechselfeld. Kapazitive Sensoren reagieren auf die Änderung des elektrischen Feldes und erfassen daher auch Nichtmetalle mit ausreichender Dielektrizitätszahl.

Was bedeutet PNP und NPN?

Ein PNP-Ausgang schaltet bei Betätigung das positive Potenzial auf den Ausgang, ein NPN-Ausgang die Masse. Der Ausgang muss zum Eingang der Steuerung passen.

Warum ist der Schaltabstand bei Aluminium kleiner als bei Stahl?

Datenblattwerte beziehen sich auf eine Norm-Messplatte aus Fe 360. Bei anderen Metallen gilt Realschaltabstand = Bemessungsschaltabstand × Korrekturfaktor, bei Aluminium 0,30…0,45.

Ersetzt IO-Link einen Feldbus?

Nein. IO-Link ist nach IEC 61131-9 eine serielle Punkt-zu-Punkt-Verbindung zwischen Master und Gerät. Der Master bindet die Geräte über einen Feldbus oder ein Backplane-Bussystem an die Steuerung an.

Warum beginnt ein 4…20-mA-Signal bei 4 mA?

Der angehobene Nullpunkt erlaubt es, Kabelbrüche und Gerätefehler zu erkennen. Nach NAMUR NE 43 gelten Werte bis 3,6 mA und ab 21,0 mA als Ausfallinformation.

Quellen und weiterführende Informationen