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Haltebremse ohne Seltene Erden: KEB COMBISTOP S1 ersetzt Permanentmagnetbremsen

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Wer eine Haltebremse in einen Servomotor einbauen muss, steht oft vor einem Zielkonflikt: Bei knappem Bauraum greifen Konstrukteure meist zur Permanentmagnetbremse, weil klassische Federkraftbremsen mit organischem Reibbelag bei gleichem Moment größer ausfallen. KEB Automation will diesen Kompromiss mit der neuen COMBISTOP S1 auflösen. Das Unternehmen kündigte die Bremse am 3. November 2026 an.

Warum Federkraftbremsen bisher größer bauen mussten

Der Grund liegt im Reibverhalten. Nach Darstellung von KEB verlieren herkömmliche Federkraftbremsen bei hohen Temperaturen an Drehmoment. Das tritt etwa im Inneren eines heißen Motors auf oder bei einem Notstopp aus hoher Drehzahl. Um diesen Abfall auszugleichen, mussten Anwender die Bremsen überdimensionieren. Im direkten Vergleich nahmen sie dadurch deutlich mehr Platz ein als Permanentmagnetbremsen.

Die S1 soll das Moment dagegen über den gesamten Temperaturbereich auf einem hohen Niveau halten. Möglich macht das laut KEB ein patentiertes Reibsystem. Konkrete Kennlinien nennt der Hersteller in der Meldung nicht.

Technische Eckdaten

  • Bauart: Federkraftbremse als Fail-Safe-Haltebremse mit Notstoppeigenschaft
  • Drehmomentbereich: 2,8 bis 45 Nm, zum Start in sechs Baugrößen
  • Betriebsart: ausgelegt für S1-Betrieb (100 % Einschaltdauer)
  • Montage: flanschseitig oder gehäuseseitig, über gängige Anschraubmöglichkeiten
  • Inbetriebnahme: Luftspalt ab Werk voreingestellt, Nachjustieren entfällt
  • Zusätze: optional Kabelkanäle für Eigen- und Kundenlitzen; Nabenbohrung, Gehäuse und Lagerrezess lassen sich projektspezifisch anpassen
  • Weitere Angabe des Herstellers: unempfindlich gegenüber axialem Spiel

Was das für Anwender bedeutet

Interessant ist die Bremse für Hersteller von Servomotoren und für Maschinenbauer, die kompakte Achsen mit Haltefunktion auslegen. KEB nennt als Einsatzgebiete Robotik, Medizintechnik, fahrerlose Transportfahrzeuge (AGVs) und Vertikalachsen, bei denen eine Last im stromlosen Zustand gehalten werden muss. Wer bisher eine Permanentmagnetbremse verbaut, könnte laut Hersteller ohne konstruktive Änderung wechseln, weil die S1 bauraumkompatibel ausgelegt ist.

Ein zweiter Punkt ist die Materialfrage: Die S1 kommt nach Angaben von KEB ohne Seltene Erden aus. Das verringere die Abhängigkeit von diesen Rohstoffen und erleichtere die Planung. Wie die Bremse ans Motorwellenende angebunden wird, hängt vom Aufbau der Nabe ab; einen Überblick über gängige Verbindungen bietet der Beitrag zu Wellen-Naben-Verbindungen.

Offene Punkte

Die Meldung beantwortet einige Fragen nicht. Zu Preis, Lieferzeit und Verfügbarkeit gibt es keine Angaben, ebenso wenig zu Betriebsspannungen, zur Lebensdauer oder zu Zertifizierungen. Auch die Bezeichnung als weltweit einzigartig ist eine Aussage des Herstellers, die sich anhand der Meldung nicht überprüfen lässt. Wer die Bremse in sicherheitsgerichteten Anwendungen einsetzen will, sollte die Eignung mit den Datenblättern und Prüfnachweisen klären.

Erstmals zeigt KEB die S1 auf der SPS 2026 in Nürnberg, vom 24. bis 26. November 2026 an Stand 320 in Halle 7.

Quelle: Pressemitteilung von KEB Automation vom 3. November 2026 (keb-automation.com). Kein Bild: Auf der Herstellerseite fehlt ein ausdrücklicher Freigabe- oder Credit-Hinweis für das Motivbild.